Schweiz
January 16, 2026

Preisfrage Psychotherapie: Was das Anordnungsmodell seit 2022 wirklich verändert hat

Anordnungsmodell der Psychotherapie Schweiz: Kosten seit 2022 stark gestiegen – von 528M auf 922M CHF. Erfahre, was das Modell bewirkt, wer profitiert und was du wissen solltest.

Lighthome_Blog_PreisPsychotherapie

Einleitung

Seit dem 1. Juli 2022 gilt in der Schweiz das neue Anordnungsmodell für psychologische Psychotherapie: Psychotherapeut:innen dürfen Leistungen direkt abrechnen, wenn eine ärztliche Anordnung vorliegt – das Delegationsmodell entfiel. Diese Änderung sollte den Zugang erleichtern und Versorgung verbessern. Seitdem sind jedoch die Kosten stark angestiegen und es stellt sich die Frage: Wie stark, und was passiert konkret?

1. Was ist das Anordnungsmodell & wie unterscheidet es sich vom Delegationsmodell?

  • Unter dem Delegationsmodell konnten psychologische Psychotherapeut:innen nur über eine Ärztin oder einen Arzt abrechnen oder wurden delegiert.
  • Mit dem Anordnungsmodell dürfen sie als Leistungserbringer:innen gelten, wenn eine ärztliche Anordnung besteht. Die Abrechnung erfolgt durch psychologische Psychotherapeut:innen direkt über die OKP.
  • Die Umstellung war Teil einer Gesundheitspolitik, die Versorgung und Zugänglichkeit verbessern sollte.

2. Zahlen & Fakten zur Kostenentwicklung

  • Die Kosten für psychologische Psychotherapie stiegen von etwa 528 Millionen CHF in 2021 auf 922 Millionen CHF in 2024 – ein Plus von rund 394 Millionen CHF bzw. etwa 20 % pro Jahr seit Einführung des Anordnungsmodells.
  • Der durchschnittliche Betrag pro versicherter Person sank nach Korrektur des Tarifunterschieds laut Obsan von etwa 99.98 CHF auf 85.96 CHF in 2024.
  • Ein Drittel (≈ 33 %) der Kostensteigerung wird auf höhere Tarife zurückgeführt, darüber hinaus spielen eine gesteigerte Nachfrage/Verlagerung, Bevölkerungswachstum und Änderungen in Anspruchsverhalten eine Rolle.

3. Warum sind die Kosten so stark gestiegen?

  • Tarifeffekte: Weil nun Stundenverrechnung durch Psychotherapeut:innen selbst möglich ist, sind neue / höhere Tarifvereinbarungen teilweise wirksam geworden.
  • Mehr Nachfrage: Menschen nutzen vermehrt psychotherapeutische Leistungen – sowohl weil der Zugang leichter geworden ist als auch wegen zunehmender psychischer Belastungen (z. B. Stress, Angst).
  • Verlagerung von Leistungen aus Selbstzahler-/Zusatzversicherungsbereich in die Grundversicherung, da Leistungen nun über OKP abgerechnet werden.

4. Auswirkungen für Patient:innen und Anbieter:innen

  • Patient:innen: Kürzerer Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe, weniger Hindernisse durch Delegation; aber evtl. höhere Wartezeiten, steigende Kosten für Zusatzversicherte oder Selbstzahler; es kann sein, dass Tarife nicht überall gleich sind.
  • Therapeut:innen: Grössere administrative Verantwortung, direkt abrechenbar; möglicherweise mehr Patientenanfragen; aber auch mehr Wettbewerb und möglicherweise unterschiedliche Tarifniveaus zwischen Kantonen.
  • Krankenkassen & Gesundheitswesen: Höhere Ausgaben insgesamt; Notwendigkeit, Mengen- und Tarifentwicklung im Blick zu behalten, um Nachhaltigkeit und Qualität zu sichern; Versicherungssystem steht unter Beobachtung.

5. Was solltest du als Betroffene / Betroffener wissen & wie handeln?

  1. Prüfe, ob eine ärztliche Anordnung vorliegt – das ist Voraussetzung für Kostenübernahme im Rahmen der OKP.
  2. Frag nach dem Tarif in deiner Region – viele Kantone haben provisorische Tarife, z. B. ~CHF 154.80 pro Stunde.
  3. Bei Zusatzversicherung: kläre ob Leistungen übernommen werden, wenn Therapeut:in außerhalb OKP-System tätig ist oder höhere Tarife verlangt.
  4. Behalte Wartezeiten im Blick und mögliche alternative Angebote (Gruppen, digitale Therapie etc.).

Referenzen

  • Obsan, 2025 – Monitoringbericht: Kosten psychologische Psychotherapie 2024 vs. vorher. Obsan Bericht
  • Psychotext, 2025 – Kostenentwicklung OKP-Psychotherapie: +394 Mio CHF zwischen 2021-2024. Psychotext Studie
  • Nau.ch, 2025 – Volksvermehrung der Ausgaben nach Systemwechsel, 20 % jährliche Zunahme. Nau.ch Artikel
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September 11, 2025

Einleitung

Seit dem 1. Juli 2022 gilt in der Schweiz das neue Anordnungsmodell für psychologische Psychotherapie: Psychotherapeut:innen dürfen Leistungen direkt abrechnen, wenn eine ärztliche Anordnung vorliegt – das Delegationsmodell entfiel. Diese Änderung sollte den Zugang erleichtern und Versorgung verbessern. Seitdem sind jedoch die Kosten stark angestiegen und es stellt sich die Frage: Wie stark, und was passiert konkret?

1. Was ist das Anordnungsmodell & wie unterscheidet es sich vom Delegationsmodell?

  • Unter dem Delegationsmodell konnten psychologische Psychotherapeut:innen nur über eine Ärztin oder einen Arzt abrechnen oder wurden delegiert.
  • Mit dem Anordnungsmodell dürfen sie als Leistungserbringer:innen gelten, wenn eine ärztliche Anordnung besteht. Die Abrechnung erfolgt durch psychologische Psychotherapeut:innen direkt über die OKP.
  • Die Umstellung war Teil einer Gesundheitspolitik, die Versorgung und Zugänglichkeit verbessern sollte.

2. Zahlen & Fakten zur Kostenentwicklung

  • Die Kosten für psychologische Psychotherapie stiegen von etwa 528 Millionen CHF in 2021 auf 922 Millionen CHF in 2024 – ein Plus von rund 394 Millionen CHF bzw. etwa 20 % pro Jahr seit Einführung des Anordnungsmodells.
  • Der durchschnittliche Betrag pro versicherter Person sank nach Korrektur des Tarifunterschieds laut Obsan von etwa 99.98 CHF auf 85.96 CHF in 2024.
  • Ein Drittel (≈ 33 %) der Kostensteigerung wird auf höhere Tarife zurückgeführt, darüber hinaus spielen eine gesteigerte Nachfrage/Verlagerung, Bevölkerungswachstum und Änderungen in Anspruchsverhalten eine Rolle.

3. Warum sind die Kosten so stark gestiegen?

  • Tarifeffekte: Weil nun Stundenverrechnung durch Psychotherapeut:innen selbst möglich ist, sind neue / höhere Tarifvereinbarungen teilweise wirksam geworden.
  • Mehr Nachfrage: Menschen nutzen vermehrt psychotherapeutische Leistungen – sowohl weil der Zugang leichter geworden ist als auch wegen zunehmender psychischer Belastungen (z. B. Stress, Angst).
  • Verlagerung von Leistungen aus Selbstzahler-/Zusatzversicherungsbereich in die Grundversicherung, da Leistungen nun über OKP abgerechnet werden.

4. Auswirkungen für Patient:innen und Anbieter:innen

  • Patient:innen: Kürzerer Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe, weniger Hindernisse durch Delegation; aber evtl. höhere Wartezeiten, steigende Kosten für Zusatzversicherte oder Selbstzahler; es kann sein, dass Tarife nicht überall gleich sind.
  • Therapeut:innen: Grössere administrative Verantwortung, direkt abrechenbar; möglicherweise mehr Patientenanfragen; aber auch mehr Wettbewerb und möglicherweise unterschiedliche Tarifniveaus zwischen Kantonen.
  • Krankenkassen & Gesundheitswesen: Höhere Ausgaben insgesamt; Notwendigkeit, Mengen- und Tarifentwicklung im Blick zu behalten, um Nachhaltigkeit und Qualität zu sichern; Versicherungssystem steht unter Beobachtung.

5. Was solltest du als Betroffene / Betroffener wissen & wie handeln?

  1. Prüfe, ob eine ärztliche Anordnung vorliegt – das ist Voraussetzung für Kostenübernahme im Rahmen der OKP.
  2. Frag nach dem Tarif in deiner Region – viele Kantone haben provisorische Tarife, z. B. ~CHF 154.80 pro Stunde.
  3. Bei Zusatzversicherung: kläre ob Leistungen übernommen werden, wenn Therapeut:in außerhalb OKP-System tätig ist oder höhere Tarife verlangt.
  4. Behalte Wartezeiten im Blick und mögliche alternative Angebote (Gruppen, digitale Therapie etc.).

Referenzen

  • Obsan, 2025 – Monitoringbericht: Kosten psychologische Psychotherapie 2024 vs. vorher. Obsan Bericht
  • Psychotext, 2025 – Kostenentwicklung OKP-Psychotherapie: +394 Mio CHF zwischen 2021-2024. Psychotext Studie
  • Nau.ch, 2025 – Volksvermehrung der Ausgaben nach Systemwechsel, 20 % jährliche Zunahme. Nau.ch Artikel