
Einleitung
Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine strukturierte, zeitlich begrenzte Therapieform, die sich auf zwischenmenschliche Beziehungen, aktuelle Lebensumstände und soziale Rollen konzentriert. Sie wurde ursprünglich zur Behandlung der Depression entwickelt, wurde aber inzwischen auch bei anderen psychischen Störungen eingesetzt. Studien belegen: IPT ist wirksam bei akuten depressiven Episoden, zur Rückfallprävention und in der Jugendmedizin. Dieser Deep Dive erklärt dir, wie IPT funktioniert, für wen sie geeignet ist und worauf du bei der Wahl achten solltest.
1. Was ist IPT und wie funktioniert sie?
- IPT fokussiert auf vier zentralen Problembereiche: zwischenmenschliche Konflikte, Rollenwechsel, Verlust (Trauer) und mangelnde soziale Bindungen.
- In der Therapie schaust du gemeinsam mit der/ dem Therapeut:in, wie deine Beziehungen sich auf deine Stimmung auswirken – z. B. Konflikte oder Einsamkeit – und ihr entwickelt Strategien, um diese zu verändern.
- IPT ist in der Regel kurz: typischerweise 12–16 Sitzungen, sowohl bei Erwachsenen als auch in adaptierter Form bei Jugendlichen.
2. Evidenz & Wirksamkeit
- Eine Meta-Analyse von Cuijpers et al. (2011) zeigt, dass IPT signifikant depressive Symptome reduziert – sowohl allein als auch in Kombination mit medikamentöser Therapie.
- Ein IPD (Individual Participant Data) Meta-Analyse (Cohen et al., 2023) verglich IPT mit Antidepressiva bei Erwachsenen: Auch wenn einige Outcomes bei Medikamenten etwas günstiger waren, zeigte IPT starke Effektstärken und gute Akzeptanz, auch über Follow-Up-Zeiten.
- Jugendliche profitieren ebenfalls: IPT-Adoleszenten Versionen (IPT-A, IPT-AST) zeigen positive Effekte bei depressiven Symptomen und in Präventionssettings in Schulen.
3. Ablauf einer IPT-Therapie: Was du erwarten kannst
- Einführung & Diagnose: Erhebung deiner Depressionssymptome & deiner sozialen Beziehungen
- Problemfokus wählen: Auswahl der Problembereiche, z. B. Konflikte, Rollenwechsel
- Intervention & Bewältigung: Rollenspiele, Kommunikationsverbesserung, neue soziale Strategien
- Übergang & Prävention: Stärkung von Beziehungen, Rückfallvorsorge, ggf. Lebensstil-Anpassungen
- Dauer: ca. 12-20 Sitzungen, abhängig von Schwere und Begleiterkrankungen.
- Setting: Einzel- oder Gruppen-IPT möglich, oft in Kombination mit anderen Therapieformen.
4. Vorzüge & Grenzen
Vorzüge:
- Starker Fokus auf soziale Beziehungen und Bindungen – hilfreich, wenn diese Bereiche belastend sind.
- Gut dokumentierte Wirksamkeit bei Depression, und in der Prävention depressiver Episoden.
- Oft schneller Wirkungseintritt, besonders wenn soziale Isolation oder Konflikte Hauptfaktor sind.
Grenzen:
- IPT behandelt aktuellere, zwischenmenschliche Faktoren – wenn Traumata tief verankert sind, kann ergänzende Therapie (z. B. EMDR, DBT) nötig sein.
- Zugang: Qualifizierte Therapeut:innen mit IPT-Ausbildung sind nicht überall verfügbar.
- Manche Studien zeigen, dass in sehr schweren, chronischen Verläufen allein IPT nicht immer ausreicht.
Referenzen
- Cuijpers et al., 2011 – Meta-Analyse: IPT reduziert depressive Symptome bei Erwachsenen. PubMed
- Cohen et al., 2023 – IPD-Meta-Analyse: IPT vs. Antidepressiva bei Depression; starke Effekte & Akzeptanz. Cambridge University Press & Assessment
- Zheng et al., 2023 – Metaanalyse: IPT-Adoleszenten Version (IPT-A / IPT-AST) zur Prävention und Behandlung depressiver Symptome bei Jugendlichen. Frontiers





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